Qualitätssicherung – Eine Illusion

Kann es überzeugen, dass nun allerorten Evaluierungs- oder Qualitätssicherungsforderungen, die in der Wirtschaft und in der Industrie ihre Berechtigung haben mögen, um zunehmend auch kulturellen Einrichtungen, wie Ausbildungsstätten, sozialen Einrichtungen, heilpädagogischen Instituten, Schulen, sogar Kindergärten auferlegt werden? Von anthroposophischer Seite sind solche Verfahren mit besten Absichten entwickelt worden, um staatlichen Forderungen entgegen zu kommen, ohne deren Erfüllung keine Genehmigungen und Finanzierungen zu erhalten sind. Der Verfasser, der seit vielen Jahren neue Ideen und Wege in der Kindergartenpädagogik entwickelt und in einem Kindergarten in Baden-Württemberg arbeitet, sieht diese Forderungen demnächst auch auf seine eigene Arbeit zukommen.

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Was ist Schul-Reifung?

Die hier angedeuteten Gedanken sind begründet unter anderem in jahrzehntelanger praktischer Arbeit mit Kindern im Kindergarten, die kurz vor dem Übergang in die Schule waren. Es sind Gedanken und Leitlinien, die aus der Arbeit und dem Umgang mit den Kindern herausgeholt und nicht aus ideologischen Gründen in sie hineingelegt sind.

Von zwei Seiten wird in dieses Alter etwas hineingelegt, einmal durch den gesetzgebenden Zwang, der in der sogenannten Früherziehung liegt. Hier wird in einer nicht sachgemässen und von einem Fremdgebiet  kommenden Weise das Kind bedrängt als Rohstoff  (Humankapital) für eine funktionierende Wirtschaft. Lesen fortsetzen

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Was ist Bildung?

Bildung ist heute vor allem ein Schlagwort. Was steckt aber dahinter? So wie dieses Wort heute gehandhabt wird, ist Bildung  eine möglichst grosse Menge von Wissen, die auf möglichst schnelle Weise in  Kinder hineingebracht wird. Vor allem Politiker führen es im Munde, und sie heissen aus diesem Grunde Bildungspolitiker. Sehen diese Politiker die Kinder in Wirklichkeit und wissen sie, wie das, was sie wollen, zustande kommen soll? Sie wissen es nicht, schon aus dem Grunde, weil sie ihre eigenen Kindheits-Erfahrungen  vergessen haben, an der sie sich prüfen könnten.

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Systematisches oder konzentrisches Lernen

Die reduktionistische Naturwissenschaft ist primär auf die abstrakte Skelettierung der Phänomene gerichtet. Dies – und nichts Anderes – gilt als Wissenschaft. Hier feiert der rationale Geist seine größten Triumphe. Dass das Lebendige dabei verdorrt oder gar nicht erst in den Blick gerät, gehört zur Negativseite dieses Siegeszuges.“ – Jochen Kirchhoff, Professor an der Humbold-Universität  Berlin

Ich hatte einst einen Studienkollegen bei meiner Lehrerausbildung, der sich die französische Sprache aneignen wollte, indem er das Wörterbuch vom Anfang an auswendig lernte. Zu meiner Zeit in Schweden wurde schaudernd noch von einem Deutschen erzählt, der zuhause eine Sprache gelernt hatte, von der er glaubte, es sei Schwedisch und der sich  lange über die Schweden ärgerte, die diese Sprache nicht verstehen wollten, bis er zornig nach Deutschland zurückging. Systematisch und gar wissenschaftlich ist nicht das Leben, aber das echte Lernen ist aus dem Leben geboren. Und deshalb müssen wir von dem Leben lernen, wenn wir das Lernen verstehen wollen. Lesen fortsetzen

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Der natürliche Ansatz des Lernens im Spiel

Individuelle experimentelle Interaktion oder genetisches Lernen

Die Arbeit mit den Kindergartenkindern des Kindergartens Bienenkorb im Sinne des Projektes Sinnbildung im Kindesalter geschieht durch individuelle experimentelle Interaktion, das heisst durch gemeinsamen forschenden Umgang mit Substanzen, Prozessen,  Produkten, Gegenständen bei passenden Gelegenheiten während des Spieles der Kinder im Tageslauf oder mit den älteren (Schul-) Kindern zu bestimmten Zeiten. Beispielsweise reibe ich Zitronenschalen, mische ich das Geriebene mit gekochtem Zuckerwasser, fülle dies in ein Glas. Die Kinder kommen, wollen schmecken, riechen, helfen. Oder ich schnitze und bearbeite interessante Ästchen, die ich im Wald aufgelesen habe, frage die Kinder immer wieder um Rat, wie ich sie beschneiden oder behandeln soll, wasche, trockne und öle sie dann, wobei das Olivenöl dann gekostet und eingerieben werden will. Die Ästchen gleichen  Tieren oder seltsamen Wesen und man kann sie legen wie Rätselzeichen, die die Fantasie anregen und Erinnerungen wecken an Orakel oder Labyrinthe, die Anfänge menschlichen Denkens. Lesen fortsetzen

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Das Laufrad des Kindes oder Die Entstehung der kindlichen Erfahrung

Das kleine Mädchen, vor mir an der Ampel, vielleicht drei Jahre, das den Zebrastreifen auf dem Laufrad  trippelnd überquert, mit dem Schnuller im Mund munter mir einen Blick zuwerfend, über die niedrige Bordsteinkante auf die andere Seite fährt, dann im Bogen nach links, der Mutter folgend, einen Kantstein entdeckt, der, herausragend, zur Umfassung eines Baumes gehört. Nun verlangsamt es sein Tempo, fast bleibt das Mädchen stehen und tastet mit dem linken Fuss den grauen kantigen Stein ab. Offensichtlich zufrieden mit seiner Erkundung, folgt es weiter nach links der wartenden Mutter, alles zusammen fröhlich und in einem Fluss, den kessen Blick zu mir  mit einbegriffen. Lesen fortsetzen

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Entstehung der Kindergartenpädagogik aus dem Impuls der Kallias Schule

Im notwendigen Gegenstrom zu unserer Zeit lebt und erzieht der die Kinder, der wesenhaft an das Spiel seiner eigenen Kindheit anschliesst. – Ernst Allvar

Der Kindergarten-pädagogische Ansatz entstand ganz pragmatisch aus einer Lebenssituation. Es war Anfang der achtziger Jahre, als Maria Luisa Nüesch, damals Marlies Nüesch, aus Graubünden in der Schweiz  meine Arbeit mit autistischen Kindern in Schweden erlebte, die darauf ausging, in diesen isolierten Kindern das menschliche Spiel zu wecken, das ihnen ganz abgeht. Es war somit keine im engeren Sinn therapeutische, sondern eine heilend künstlerische Arbeit, die sie erlebte in dem Heilpädagogischen Institut Morapark in Järna. Sie äusserte den Wunsch, dass ich nach Graubünden käme, um mit ihr einen Kindergarten aus dem schillerschen Spielelement aufzubauen. Lesen fortsetzen

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Grundelemente eines kindgemässen Kindergartens

Pädagogik ist immer in der Gefahr, etwas auszudenken und festzulegen, was vermeintlich gut für das Kind ist. Man will ein Kind zu etwas erziehen, was man gut findet. Dahinter steckt somit immer eine persönliche, damit subjektive und begrenzte Sichtweise. Das bedeutet, auch wenn man sich dessen nicht bewusst ist, eine Weltanschauung. Weltanschauungsfreie Pädagogik gibt es nicht. Die heute herrschende staatliche Weltanschauung ist eine rein materialistische und hat das Ziel der wirtschaftlichen Nützlichkeit. Also ist es gut für das Kind, es zum Nutzen der Wirtschaft so früh wie möglich zu erziehen. Lesen fortsetzen

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Was ist gut für ein kleines Kind?

Die einfache Antwort lautet: gut für ein kleines Kind ist es, das erleben zu können, was für seine individuelle Biographie die Vorbereitung ist. Denn das erste Jahrsiebt ist das des Spieles. Und die Bedeutung des Spieles ist es, die leibliche, seelische und geistige Grundlage zu legen, die es dem Menschen später ermöglicht, die Aufgabe seines Lebens zu erfüllen.

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