Zwei mögliche Wege in der Pädagogik. Ein Gespräch.

Der Eine: „Wie können Sie glauben, im Umgang mit den kleinen Kindern gänzlich auf pädagogische Formen verzichten zu können? Eine solche Formlosigkeit führt doch zu einem völligen Chaos. Der Wille der Kinder muss in diesem Alter nach meiner Auffassung durch die Bildung von guten Gewohnheiten auf das spätere Leben vorbereitet werden.“

Der Andere: „Lieber Freund, ich habe ganz andere Erfahrungen, und dies durch einige Jahrzehnte und mit vielen Kindern. Ich will es so sagen, damit Sie einen Vergleich haben: Wie gehen Sie mit Ihrer Frau, mit Ihren Freunden und Arbeitskollegen um? Haben Sie Ihnen gegenüber pädagogische Absichten und Formen? Natürlich nicht. Und sind sie deshalb im Umgang miteinander chaotisch und formlos? Doch hoffentlich nicht. Was aber gibt Struktur und Form, wenn es nicht pädagogische Absicht ist? Es ist der Respekt, der durch die Wahrnehmung der jeweiligen Persönlichkeit entsteht, der Form und Gestalt im Umgang miteinander gibt. Nichts anderes geschieht bei uns im Umgang mit den kleinen Kindern.“ Lesen fortsetzen

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Zwei mögliche Wege in der Pädagogik. Ein Gespräch.

Gute Gewohnheiten. Manipulation und Freiheit.

 

Vorbemerkung: Dieser Text setzt Begriffe der Anthroposophie Rudolf Steiners voraus.

Will man Menschen gefügig machen, so geht das am besten, indem man ihnen unter Umgehung der Einsichtsfähigkeit passende Gewohnheiten einprägt. Nicht wenige Pädagogen sind der Ansicht, das was sie als gute Sitten ansehen, gehöre den Kindern beizeiten als Gewohnheiten eingeprägt. Denn, so meinen sie, einmal sei ein gutes Verhalten wichtig für das spätere Leben und entsprechende Gewohnheiten seien die Grundlage dazu. Und zum anderen könnten ja Kinder nicht wirklich aus Einsicht handeln.

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Was bildet die Strukturen in einem Kindergarten?

Es wird meistens übersehen, dass die Kinder, wenn sie in den Kindergarten kommen, aus einer sehr nahen und intimen Struktur, der der Familie, zunächst einmal herausgerissen, dadurch also verwundet sind. In einer intakten Familie lebt das Kind im Spannungsfeld der Polarität von Vater und Mutter mit entsprechenden Zuneigungen und Geborgenheiten.

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Fuchs und Wolf oder: das Märchen von der Qualitätssicherung

Der Wolf, der Vielfrass, kommt auf die Idee, was er gefressen hat, auch dokumentieren zu wollen. Dann, meint er, habe er gleichsam doppelt gefressen – mit dem unersättlichen Bauch und auch mit einem nachzulesenden Buch. Er denkt, was er gefressen hat, hinterlässt doch nach einer Weile wieder Hunger. Was im Buch aber aufgeschrieben sei, das könne er immer wieder geniessen. Denn sein Wahlspruch ist: Wer hat, der hat. Und weil er immer auch geizig ist und an dem zweifelt, was er hat und ob er genug hat, will er nun doppelt haben, das Gefressene und das Geschriebene.

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Die Arbeit mit den älteren Kindergartenkindern in der Werner Werkstatt

Seit etwa 2000 hat sich die Arbeit im Kindergarten mit den Kindern ergeben, die in die Schule kommen. Wir nennen sie „Schulkinder“. Der Beginn war ein tastender. Nach was ging das Tasten? Es war ein Wahrnehmen, dass bei den älteren Kindern sich etwas ändert, in Handlungen, im Bewusstsein. Es war auch deutlich, dass sie sich anschlossen an mich, den, der experimentierte mit Materialien, mit Worten und dramatischen Spielen, mit Klängen und großen Spielgeräten, die ich erfand, auch weil ich mit ihnen balgend die Kräfte maß und nicht als „Kindergärtner“ auftrat, der eher den Alltag gestaltete, sondern als einer, der immer für etwas Besonderes gut war. Ich suchte ja die Wurzeln des Spieles, nicht aus „pädagogischen“ Gründen, sondern weil es seit Jahrzehnten auch im Erwachsenenleben und im Sinne von Schillers Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen meine Lebensaufgabe war. Die Kinder spürten, wie ich selber, dass wir auf eine gewisse Weise Kollegen waren, Wanderer auf dem gleichen Weg, sie mir voraus in der Ursprünglichkeit des neuen Erdenbürgers, ich ihnen als der Erfahrene auf vielen Lebensgebieten.

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Das menschliche Spiel – Seine Aufgabe und seine Bedrohungen

Alle Zeichen der gegenwärtigen Zivilisation deuten auf eine sich anbahnende Katastrophe. Diese wird alle Völker, alle Erdteile, sie wird die Menschheit und die ganze Erde ergreifen. Eines ihrer Kennzeichen ist auch, was zunächst widersprüchlich erscheint, eine unübersehbare Fülle von scheinbaren oder wirklichen Hinweisen, wie diese Katastrophe zu vermeiden wäre. Dieser Aufsatz, diese Zeitschrift, machen davon keine Ausnahme. Ein neu erschienenes Buch mit dem Titel „Kollaps“ sollte hier beachtet werden, nach der Rezension im „Spiegel“ Nr. 50/2005 (Verfasser Jared Diamond). Es belegt ausführlich anhand der Darstellung vieler vergangener Kulturen, was zu deren Zusammenbruch geführt hat.

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Die Bedingungen einer sozialen Kunst und die Grundlagen der Kalliasschule des gemeinsamen Bewegens im Spiel

Das soziale Urphänomen

Das erste Gesetz des guten Tons, der Schönheit im Umgang miteinander, ist: Schone fremde Freiheit, das zweite: Zeige selbst Freiheit. 

Die pünktliche Erfüllung beider ist ein unendlich schweres Problem, aber der gute Ton fordert sie unerlässlich….

Ich weiß für das Ideal des schönen Umgangs kein passenderes Bild als einen gut getanzten und aus vielen verwickelten Touren komponierten englischen Tanz.

Ein Zuschauer aus der Galerie sieht unzählige Bewegungen, die sich aufs bunteste durchkreuzen und ihre Richtungen lebhaft und mutwillig verändern und doch niemals zusammenstoßen. Alles ist so geordnet, dass der eine schon Platz gemacht hat, wenn der andere kommt, alles fügt sich so geschickt und doch wieder so kunstlos (absichtslos) ineinander, dass jeder nur seinem eigenen Kopf zu folgen scheint und doch nie dem anderen in den Weg tritt.

Es ist das treffendste Sinnbild der behaupteten eigenen Freiheit und der geschonten Freiheit des anderen.

 Friedrich Schiller    Kallias oder über die Schönheit   1792/93

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Qualitätssicherung – Eine Illusion

Kann es überzeugen, dass nun allerorten Evaluierungs- oder Qualitätssicherungsforderungen, die in der Wirtschaft und in der Industrie ihre Berechtigung haben mögen, um zunehmend auch kulturellen Einrichtungen, wie Ausbildungsstätten, sozialen Einrichtungen, heilpädagogischen Instituten, Schulen, sogar Kindergärten auferlegt werden? Von anthroposophischer Seite sind solche Verfahren mit besten Absichten entwickelt worden, um staatlichen Forderungen entgegen zu kommen, ohne deren Erfüllung keine Genehmigungen und Finanzierungen zu erhalten sind. Der Verfasser, der seit vielen Jahren neue Ideen und Wege in der Kindergartenpädagogik entwickelt und in einem Kindergarten in Baden-Württemberg arbeitet, sieht diese Forderungen demnächst auch auf seine eigene Arbeit zukommen.

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Was ist Schul-Reifung?

Die hier angedeuteten Gedanken sind begründet unter anderem in jahrzehntelanger praktischer Arbeit mit Kindern im Kindergarten, die kurz vor dem Übergang in die Schule waren. Es sind Gedanken und Leitlinien, die aus der Arbeit und dem Umgang mit den Kindern herausgeholt und nicht aus ideologischen Gründen in sie hineingelegt sind.

Von zwei Seiten wird in dieses Alter etwas hineingelegt, einmal durch den gesetzgebenden Zwang, der in der sogenannten Früherziehung liegt. Hier wird in einer nicht sachgemässen und von einem Fremdgebiet  kommenden Weise das Kind bedrängt als Rohstoff  (Humankapital) für eine funktionierende Wirtschaft. Lesen fortsetzen

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