Wie verhält es sich mit dem Ei, das ein Huhn gelegt hat? Ein bestimmtes Ei, das ein bestimmtes Huhn gelegt hat, stammt eindeutig von diesem Huhn. Das Ei als Urform aber hat nicht dieses Huhn erfunden, sondern es ist ein reales Abbild einer kosmischen Ur-Gesetzmässigkeit, die durch das befruchtete Huhn zu einer irdischen Wirklichkeit wird.
So ist der Entwickler, Erforscher und Hervorbringer der Kallias-Übungen gleichsam das Huhn mit allen seinen Eigenschaften und (Un-) Fähigkeiten, welches das Element der Sozialen Kunst als eine kosmische, noch ständig zu erübende Fähigkeit in die Welt und unter Menschen gebracht hat, wie es jetzt durch Jahrzehnte an vielen Orten geschehen ist.
Da ist zu beachten, dass allein solche Übungen wirklich Kallias-Übungen sind, die gänzlich das Urphänomen, wie es Schiller in den Kallias-Briefen beschreibt, in sich enthalten: Behaupte deinen Willen und schone den Willen der anderen.
Wie bei allen Kunstarten verlangt diese Kunst ein Erüben, das Zeit braucht und darin auch Zeit schafft. Jedoch ist gerade bei dieser, der zukünftigen Sozialen Kunst, das Unvollkommene eine Voraussetzung, wie auch alles wahre Soziale nur ein Beginn sein kann.
Somit ist es das Zeitelement einer Entwicklung, das empfunden und ständig vertieft zu werden hat, als Belehrung einer entstehenden Richtung, die vor allem durch die Nacht- und Tagesrhythmen denen zuströmt, die ihre Aufmerksamkeit darauf richten.
Die erst in Zukunft zu erreichende, werdende Vollkommenheit dieser neuen Kunst besteht also in der Weiterentwicklung der Menschen, die unermüdlich und ernsthaft diesen Weg beschreitet.
Wenn allerdings dennoch und unvermittelt Vollkommenheit in einer Übung erlebt wird, so ist es durch Gnade. Und nur durch die Gnade als Geschenk des Augenblicks ist zu empfangen, was durch falsches Üben, gar durch Trainieren zur Zerstörung dieser Kunst führen würde.
So ist es eine absichtslose, kindliche Naivität, ein Verzicht auf Wirkungen, welche den Sozialen Künstler bewegt und erfüllt.
Im tiefsten Inneren ist dieses Kunstelement ein merkuriales im Sinne des Ethischen Individualismus, wie Rudolf Steiner ihn vielfach beschreibt, als Aufgabe Mitteleuropas und Vorbereitung für die Sechste Kulturperiode des wartenden Slawentums.
Als ein zentrales Element der Meditation kann gelten das, was Rudolf Steiner gegeben hat bei der Einweihung des kleinen Tempels von Malsch, wo wir als kleine Gruppe auch singend im engen Raum uns bewegten.

Der Grundstein von Malsch, als eine Meditation, die schon Goethe in sich aufnahm, mit dem Merkur in der Mitte, kann so auch als Kallias-Meditation gelten, wenn man sich den Kranz der Planeten als einen Tanz vorstellt.
Erfährt man innerlich die Beweglichkeit dieser kosmischen Komposition, dann kommt man, auch durch das Aufnehmen der Einweihungsansprache Rudolf Steiners, zu dem Element der Menschenarbeit und deren Aufgabe, die Materie der gesamten Erde zu verwandeln.
Sieht man darin die Kallias-Übungen als Kraftquelle einer neuen Menschengemeinschaft, so geht das freie Element dieser Kunst in das über, was durch alle Zeiten die wahre genossenschaftlich Arbeit gewesen ist, die Substanzverwandlung durch Leistung gegen Widerstand.
In so manchen Kallias-Übungen ist der Ansatz zu einer solchen kraftschöpfenden Arbeit schon angelegt und praktisch weiterzuentwickeln.
Und so würde die Soziale Kunst als Arbeit durch solche Übungen wieder anschliessen an das, was seit uralten Zeiten als Genossenschaften und Bauhütten die wahre Erdenkultur begründet hat.
Erst dann aber wäre die Soziale Kunst als Dreiheit ein Ganzes, indem denkende Klarheit als fühlende gemeinsame Bewegung im Willen zur erdverwandelnden Leistung gegen Widerstand wird.
Schmerzlicher Nachsatz: Wahrlich um ein Haar wäre die hier beschriebene Arbeit in freundschaftliche und tätige Verbindung gekommen mit der von Eckehard Wroblowski, der seine Arbeit nannte Liebe zur Erde und die an vielen Orten „roggenwurzeltief“ und unermüdlich sich durch viele Menschen mit der Erdensubstanz verbunden hat. Es sollte nicht sein und wartet auf die Zukunft! (siehe auch den Artikel Kultur, Zivilisation und die Bildung einer neuen Kulturfähigkeit)
Die Hände,
das soziale Organ
Die Hände
Sind zu bedenken:
Sie denken und lenken
Sie spüren und führen
Umarmen erbarmen
Halten gestalten
Fassen und lassen
Brüder und Schwestern
Jedem das Ganze
Im gemeinsamen Tanze.
*
Aber auch die Füsse sind Hände-
Am anderen Ende!
Oktober 2026